HOSI Linz Presseaussendungen
Vorstoß von Gesundheitsminister Stöger hinsichtlich Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes
15.10.2011 16:00
„Die
Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!"
(Zitat: Joh. W. v. Goethe: Faust I)
HOSI
Linz / österreich / Gesundheit / Fortpflanzungsmedizin / Wartner
HOSI Linz:
Wir begrüßen den Vorstoß von Gesundheitsminister Stöger hinsichtlich einer
Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes, zweifeln aber an der
Umsetzungsfähigkeit des Ministers.
Gesundheitsminister Alois Stöger hat im Interview in der Zeitung „Der Standard"
angekündigt, das Fortpflanzungsmedizingesetz dahingehend ändern zu wollen, dass
alleinstehende Frauen und lesbische Paare nicht länger von künstlicher
Fortpflanzung ausgeschlossen bleiben.
„Wir freuen uns, dass sich der Gesundheitsminister jetzt für Änderungen im
Fortpflanzungsmedizingesetz ausgesprochen hat", erklärt Gernot Wartner, Vereinssprecher der Homosexuellen Initiative
Linz (HOSI Linz). "Das ist immerhin eine langjährige Forderung der
lesbisch-schwulen Organisationen in Österreich, denn der Ausschluss von
alleinstehenden Frauen und lesbischen Paaren von künstlicher Befruchtung ist
eine böswillige Diskriminierung, die umgehend beseitigt gehört."
Lesbische Frauen können bei einem Kinderwunsch in Österreich die Dienste
von Samenbanken nämlich ebenso wenig in Anspruch nehmen, wie alleinstehende
Frauen und müssen ins Ausland ausweichen, da eine künstliche Befruchtung nur
bei Ehepaaren oder verschiedengeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zulässig
ist. Die HOSI Linz bezweifelt aber, ob Bundesminister Stöger sich da gegen den
Koalitionspartner ÖVP durchsetzen wird können. Immerhin wäre es ja ein Leichtes
gewesen, dies im Zuge des erst vor zwei Jahren beschlossenen
Partnerschaftsgesetz so zu regeln, wäre nicht die ÖVP gegen jede noch so kleine
Abschwächung der diskriminierenden Sonderbestimmungen dieses Gesetzes gewesen.
Insbesondere die HOSI Linz hat das diskriminierende Verbot im Bereich der
künstlichen Befruchtung - wie auch andere diskriminierende Bestimmungen im
Partnerschaftsgesetz - von Anfang an kritisiert. "Wenn Justizministerin
Beatrix Karl jetzt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte abwarten will, dann kann man schon einmal davon ausgehen, dass
auch dieser Vorstoß des Gesundheitsministers ins Leere laufen wird", so
Wartner.
„Die ÖVP hat sich bisher immer erfolgreich quergelegt, wenn es um die
legitimen Rechte von Lesben und Schwulen gegangen ist, und sich immer erst dann
bewegt, wenn ein internationaler Gerichtshof die heimische Gesetzeslage als
menschenrechtswidrig verurteilt hat. Und selbst dann nur widerwillig und
ungenügend. Dass Österreich immer erst wartet, bis eine festgestellte
Menschenrechtsverletzung beseitigt werden muss, statt von sich aus politisch
auf sich ändernde gesellschaftlichen Bedingungen zu reagieren, ist unerklärlich
und eigentlich eine Bankrotterklärung der Politik. Insofern freut mich die
Absicht des Gesundheitsministers natürlich, aber - wie sagte schon Goethe: ‚Die
Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!‘", so Wartner abschließend.
Für die HOSI Linz
gez. Gernot Wartner,
Vereinssprecher








