HOSI Linz Presseaussendungen
Brief ans Christkind (und/oder an die ÖVP OÖ)
20.12.2011 18:00
Weil zu Weihnachten angeblich Wünsche in Erfüllung gehen, hat die
HOSI Linz auch einen Wunschzettel an das Christkind geschrieben...
Liebes
Christkind!
Du
weißt ja, dass sich in Österreich seit bald zwei Jahren auch zwei Männer oder
zwei Frauen, die einander sehr gern haben, amtlich als Paar registrieren lassen
können. Das ist zwar nicht ganz so viel, wie wenn eine Frau und ein Mann
heiraten, aber immerhin. Seither haben alle österreichischen Bundesländer
dieses Recht auch auf Landesebene eingeführt - die einen besser, die anderen
schlechter. Nur in Oberösterreich gibt es das immer noch nicht.
Was
bedeutet das, wirst du jetzt fragen. Nehmen wir einmal die Pflegefreistellung -
also wenn jemand frei bekommt, weil sie oder er zum Beispiel ein Kind, das im
gemeinsamen Haushalt heranwächst, betreuen muss, weil dieses kurzfristig krank
geworden ist. Die Grünen, die in Oberösterreich mitregieren, wollen - wie auch
die HOSI Linz -, dass die in eine solche Partnerschaft mitgebrachten Kinder den
Stiefkindern in Lebensgemeinschaften gleichgestellt werden. Nicht nur der
leibliche Elternteil, auch die eingetragene Partnerin oder der eingetragene
Partner soll Anspruch auf Pflegeurlaub für ein solches im gemeinsamen Haushalt
lebendes Kind erhalten. Immerhin sind das ja die Personen, die das kranke Kind
auch sonst erziehen, die sich um es sorgen und zu denen es Vertrauen hat.
Aber
da ist jetzt noch die ÖVP, die in dieser Frage nicht nachgeben will - nicht
einmal zu Weihnachten und nicht einmal wegen ihres grünen Regierungspartners.
Die ÖVP will für die Beamtinnen und Beamten und die VertragsbediensteteN des
Landes nur die dienstrechtlichen Regelungen des Bundes eins zu eins übernehmen.
Demnach sollen eingetragene Partnerinnen und eingetragene Partner nur dann eine
Pflegefreistellung erhalten, wenn sich nachweislich auch der getrennt lebende
leibliche Elternteil nicht um das erkrankte Kind kümmern kann. Das, liebes
Christkind, finden wir schade und auch sehr unchristlich.
Liebes
Christkind, weil ja jetzt Weihnachten ist und du überall herumfliegst und
Geschenke verteilst, haben wir uns gedacht, du fliegst auch bei der ÖVP
Oberösterreich im Heinrich-Gleissner-Haus einmal kurz vorbei und schenkst
diesmal zur Abwechslung ein wenig Einsicht und guten Willen (nicht zu viel, nur
ein bisschen!).
Da
ist einmal der Landesparteiobmann Dr. Josef Pühringer. Dem schenkst du
bitte die Einsicht, dass das ein Verstoß gegen die Antidiskriminierungsrichtlinie
2000/78 der EU wäre, die ja Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund sexueller
Orientierung verbietet.
Dann
ist dort der Landesparteivorstand der ÖVP Oberösterreich. Dem lege doch
bitte einfach die Einsicht unter den dort sicher irgendwo vorhandenen Baum,
dass, wenn Wien und die Steiermark in ihren Landesdienstrechten keinen
Unterschied zwischen eingetragenen Partnerschaften und der Ehe mehr machen, das
doch auch in einem so fortschrittlichen und modernen Land wie Oberösterreich
kein Problem mehr sein kann. Wenn es dort egal ist, welche Partnerin bzw.
welcher Partner zu Hause beim kranken Kind bleibt, dann sollte das doch in
Oberösterreich auch möglich sein.
Dort
wäre dann auch noch der Klubobmann Mag. Thomas Stelzer. Der freut sich
sicher über die geschenkte Einsicht, dass die ÖVP Oberösterreich mit den von
ihr vorgeschlagenen Regelungen drauf und dran ist, gegen die Landesverfassung
und das Antidiskriminierungsgesetz zu verstoßen. Erstere verbietet nämlich dem
Land Oberösterreich die Diskriminierung von Menschen auf Grund der sexuellen
Orientierung, das andere stellt das sogar unter Strafe. Also das brauchst du
auch nicht groß einpacken, der Herr Mag. Stelzer freut sich auch so darüber.
Und
dann sind da noch die Abgeordneten des ÖVP-Landtagsklubs. Gut, das sind
jetzt ganze 28 Abgeordnete, aber das ist sicher kein großer Mehraufwand für
dich. Denen solltest du den guten Willen schenken, ein Gesetz zum Wohle der
Betroffenen beschließen zu wollen - also vor allem der Kinder, die gerade, wenn
sie krank sind, die Liebe und Fürsorge jener Menschen brauchen, die auch sonst
immer für sie da sind.
Ja
und vielleicht die Einsicht und den guten Willen für alle, dass das total
dringend ist. Weil, weißt du, die Lesben und Schwulen im Landesdienst sind im
heurigen Jahr auch immer ganz brav gewesen und haben alle Arbeit total super
gemacht. Aber die wollen jetzt einfach nicht mehr länger warten!
Und,
liebes Christkind, für uns haben wir auch noch einen (ganz wirklich!) klitzekleinen
Wunsch. Nämlich dass die ÖVP OÖ im nächsten Jahr auch mit uns einmal redet.
Weil bei uns in Oberösterreich heißt es ja: Durchs Reden kommen die Leute
zusammen. Und wir haben ja nichts gegen die ÖVP - wir wollen nur mit ihr
zusammen das Beste für Oberösterreich herausholen. Also das ist doch sicher nur
ein ganz kleiner Wunsch, oder?
Danke,
liebes Christkind! Wir rechnen fest mit Dir.
Deine
HOSI Linz
Für die HOSI Linz
gez. Gernot Wartner, Vereinssprecher
Linz, den 20.12.2011








