HOSI Linz Presseaussendungen
17. Mai: Internationaler Tag gegen Homophobie
16.05.2012 22:00
17. Mai: Internationaler Tag gegen Homophobie
(International Day Against Homphobia – IDAHO)
Handlungsbedarf
Eine Studie des Münchner Meinungsforschungsinstitutes „iconkids&youth“ aus dem Jahr 2002 (siehe auch: http://www.iconkids.com/deutsch/download/presse/2002/2002_2.pdf) hat aufgezeigt, dass deutsche Jugendliche massive Vorbehalte gegenüber homosexuellen Menschen haben. Vor allem Burschen haben eine negative Einstellung zu “Schwulen”, nämlich 71% der Befragten. Mädchen sind zumeist toleranter, doch auch hier hat eine Mehrheit eine ablehnende Haltung (51%). Im Vergleich zu den Daten aus dem Jahr 1998 zeigt sich ein negativer Trend. Damals hatte nur 1/3 der Jugendlichen Vorbehalte gegenüber Schwule und Lesben. Und in Österreich ist es nicht viel anders, sieht man sich eine Studie vom Österreichischen Institut für Familienforschung und der der Universität Wien an. So berichten 17% der Untersuchten über einen Suizidversuch nachgedacht und 5% diesen ausgeführt zu haben, aufgrund der Tatsache, dass sie “wegen der Homosexualität in der Schule so viel mitgemacht haben” (siehe auch: http://www.fgoe.org/veranstaltungen/weitere-fgoe-veranstaltungen/archiv/seelische-gesundheit-im-schulischen-setting/WS_2_KAPELLA.pdf).
„Das zeigt wie wichtig es ist, Menschen und insbesondere Jugendliche über Homosexualität aufzuklären, um Schwule und Lesben vor Vorurteilen und Homophobie zu schützen, denn dass diese Zahlen nichts an ihrer Aktualität verloren haben, zeigen auch neuere Studien.“ erklärt HOSI-Vereinssprecher Gernot Wartner. So veröffentlichte 2010 das “Gay, Lesbian and Straight Education Network” (GLSEN) einen Bericht aus einer Studie über das Klima in US-Grundschulen. Ergebnis dabei war, dass Homophobie bereits in der Grundschule beginnt und Sätze wie “das ist so schwul”, das häufigste aller gegen Homosexuelle gerichtete Schimpfwörter sind, die gegen die Identität und/oder Orientierung des Geschlechts abzielen. Wörter wie “Tunte”,”Schwuchtel” oder “Lesbe” sind die verbalen Waffen für jene Kinder, die ihre Altersgenossen verletzen wollen. „Das erleben auch wir bei unseren Informations- und Aufklärungsworkshops an den Schulen in Oberösterreich immer wieder. Man sollte meinen, dass jüngere Generationen aufgeschlossener sind, doch leider herrscht gerade unter Jugendlichen vermehrt eine intolerante und oftmals offen homophobe Stimmung – vielfach wohl auch aus reiner Unwissenheit, weil einfach viel zu wenig Aufklärungsarbeit an Schulen geleistet wird. Leider wird hier von den Schulbehörden viel zu wenig dagegen getan und unsere MitarbeiterInnen können nicht überall sein. Eigentlich müsste die Sensibilisierung und der Umgang mit diesem Thema bereits in der LehrerInnenausbildung thematisiert werden. Aber das passiert derzeit so gut wie gar nicht,“ kritisiert Wartner.
Solange die Politik, der Staat, vorlebt, dass Diskriminierung in Ordnung ist, dürfe man sich nicht wundern, wenn es dann auch zu homophober Diskriminierung im Alltag kommt. Das gelte für Fremdenfeindlichkeit und rassistische Tendenzen gleichermaßen. „Hass und Angst vor Lesben und Schwulen hat vielerlei Erscheinungsformen, sei es nun die gedankenlose Verwendung dummer Begriffe, Ratschläge, welche die Lebensrealitäten vollkommen ignorieren, oder gar echter Hass. Die erkämpften Rechte und der mühsam errungene Freiraum geraten zunehmend wieder in Gefahr,“ so Wartner.
Insbesondere nennt Wartner in diesem Zusammenhang Religionsgemeinschaften, die immer öfter durch radikale homophobe Äußerungen einzelner Mitglieder oder gar ganzer konservativer Gruppen auffallen, aber auch FPÖ und ÖVP. „Die FPÖ kampagnisiert nicht nur gegen Menschen mit Migrationshintergrund und Angehörige islamischen Glaubens, sondern fällt wie unter anderem auch im letztjährigen Parteiprogramm auch immer wieder durch extreme Homophobie auf. Und die ÖVP hat es im Jahr 2012 noch immer nicht geschafft, ihr Weltbild ins dritte Jahrtausend zu transformieren und hängt einer Lebenswirklichkeit nach, die vormodern und reaktionär ist. Wenn dann aus einer solchen mit religiös motivierten Grundsätzen gepaarten Ideologie vergangener Zeiten auch noch Gesetze für die heutige Zeit werden, dürfen wir uns nicht wundern, wenn dann die Diskriminierung von gleichgeschlechtlich liebenden Menschen – und bei diesen groß werdenden Kindern (!) – auch noch rechtlich verankert wird, wie soeben in Oberösterreich geschehen. Dass dann in der Gesellschaft der Eindruck entstehen muss, Diskriminierung ist in Ordnung, ist nur die logische Folge daraus.“ Als Beispiel dafür führt Wartner das Rote Kreuz an, das trotz gegenteiliger Erkenntnisse und Aufforderungen der EU-Kommission immer noch an seiner von der HOSI Linz immer wieder heftig kritisierten diskriminierenden Blutspendepolitik festhält und dafür auch Rückendeckung des Gesundheitsministeriums bekommt. „Ein ebenso tragischer, wie geradezu klassischer Fall von politisch gedeckter, ideologisch motivierter Alltags-Homophobie,“ stellt Wartner dazu fest.
Ausverkauft war jedenfalls die OÖ-Premiere des Films „Homophobia“ von Gregor Schmidinger heute Abend in der HOSI Linz und auch die Party gegen Homophobie im Anschluss daran war ein voller Erfolg! Dutzende Partywütige setzten ein lautes Zeichen gegen Homophobie und Diskriminierung!
Mehr Infos zum Film unter: www.projecthomophobia.com
Pressefotos und das Postermotiv stehen auf http://www.flickr.com/photos/irrationalrealm/sets/72157629215009324/detail zum Download bereit.
Pressefotos zur heutigen Filmpremiere von „Homophobia“:
Begrüßung durch Gernot Wartner, Vereinssprecher der HOSI Linz:
http://www.hosilinz.at/files/presse/121/homophobia_gernot_wartner_IMG_6242.jpg
Talk mit Gregor Schmidinger, Regisseur:
http://www.hosilinz.at/files/presse/121/homophobia_schmidinger_gregor_IMG_6246.jpg
Talk mit Gregor Schmidinger, Regisseur:
http://www.hosilinz.at/files/presse/121/homophobia_schmidinger_gregor_talk_IMG_6256.jpg
Gregor Schmidinger und Teile des Teams von „Homophobia“:
http://www.hosilinz.at/files/presse/121/homophobia_schmidinger_team_IMG_6268.jpg
Der Abdruck ist kostenfrei bei Nennung von: Fotos: HOSI Linz/Gerhard Niederleuthner








