HOSI Linz Presseaussendungen
HOSI Linz mahnt Menschenrechte ein
10.12.2008
HOSI Linz mahnt Menschenrechte im In- und Ausland ein
Traurig, aber wahr: die Lage der Lesben und Schwulen in UNO-Mitgliedstaaten 60 Jahre nach der Pariser Erklärung
"Wir feiern 60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die UNO: Das befriedigt uns aber nur sehr bedingt. Wir haben in der Menschenrechtscharta zwar eine formell anerkannte Grundlage, auf die wir uns auf unserem langen Weg zur faktischen Realisierung der Menschenrechte für Lesben und Schwule beziehen können. Doch der Kampf um das Mindeste, unsere menschlichen Grundrechte auf Sexualität, Privatsphäre, gesellschaftliche Teilhabe und Gleichbehandlung ist noch bei weitem nicht am Ziel", erklärt Vereinssprecherin Edith Schmied.
"Am 5. Dezember mussten wir der einjährigen Wiederkehr der Hinrichtung des damals 21-jährigen Makvan Mouloodzadeh gedenken, den der iranische Staat wegen des Auslebens seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung und fern von jeder sexueller Gewaltanwendung henkte", erinnert Vereinssprecher Gerhard Friedinger.
"Der französische Vorschlag, namens der EU bei der UNO eine Initiative zur weltweiten Entkriminalisierung einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Sexualität anzuregen, stößt auf den entschlossenen Widerstand des Vatikans. Und zwar mit dem haarsträubenden Argument, es würden dadurch Staaten diskriminiert, die Homosexualität nicht legalisieren wollten. Und in Österreich wird immer noch ein hartnäckiger Verzögerungskampf gegen ein Rechtsinstitut für Lesben und Schwule geführt, das endlich mit einem Teil – einem Großteil? – der grundrechtswidrigen Diskriminierung von Lesben und Schwulen bei ihren PartnerInnenschaften Schluss machen soll. Doch wir sind zuversichtlich, das 21. Jahrhundert hat ja längst begonnen", ergänzt Edith Schmied.
"Die Freiheit vor Diskriminierung auf Grund sexueller Orientierung teilt die Problematik jedes menschlichen Grundrechts, nämlich dass es nicht unmittelbar und nur über einen steinigen Weg voller Unwägbarkeiten und Risiken errungen werden muss. Aber dieses Grundrecht ist zumindest die Einräumung einer Chance, die es zu nützen gilt", beschreibt Gerhard Friedinger die Sisyphus-Arbeit.
Nicht umsonst verabschiedete die World Association for Sexual Health am 26. 8. 1999 in Hongkong die Erklärung der sexuellen Menschenrechte. Demnach ist Sexualität nicht auf den Zeugungsakt in einer Ehe zu reduzieren, sondern Bestandteil eines erfüllten Lebens, das auch die Akzeptanz durch die Gesellschaft braucht. So bedarf es ständig der Konkretisierung vom allgemeinen Menschenrecht zur speziellen Antidiskriminierung und der konkreten Argumentation für einen effektiven Schutz vor purer Intoleranz, blinder Verachtung und ungerechtem Ausschluss (Originaltext: www.rolf-gindorf.de/sexualrechte.htm).
„Aktuelle Thematiken waren freilich auch Bestandteil der Kundgebung der HOSI Linz mit Kranzniederlegung am Gedenkstein für die homosexuellen Opfer der Nazis im ehemaligen KZ Mauthausen vergangenen Sonntag. Die HOSI Linz veranstaltet jedes Jahr zwei Gedenkfeiern in der Gedenkstätte Mauthausen, nämlich zum Befreiungstag des KZ und zum Internationalen Tag der Menschenrechte. Dazu sind alle herzlich eingeladen. Wir holen uns aus solchen Gedenkfeiern Bestätigung und Bestärkung für unsere Arbeit für die lesbisch-schwule Community", schließen Schmied und Friedinger (Infos: www.hosilinz.at ).





