HOSI Linz Presseaussendungen


HOSI Linz entsetzt über Aussagen des zukünftigen Weihbischofs Wagner

09.02.2009



Man kann auch Katholizismus heilen!

 

 

Im „Profil“-Interview erklärt der zukünftige Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner auf die Frage, ob Homosexualität heilbar sei und Homosexuelle behandelt werden sollten: "Natürlich kenne ich geheilte Homosexuelle. Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht."

 

Die HOSI Linz weist diese Aussage auf das Allerschärfste zurück und hält die dahinter stehende Geisteshaltung Pfarrer Wagners nicht nur für den gegenseitigen Dialog nicht förderlich sondern für einen Schlag ins Gesicht aller gläubigen Lesben und Schwulen weit über die Diözese Linz hinaus. Pfarrer Wagner befindet sich damit nicht auf der Meinung der österreichischen Katholiken.

 

 

„Die Äußerungen Wagners, Homosexualität ist heilbar, Lesben und Schwule seien am Hurrikan Kathrina schuld, führen sich eigentlich von selber ad absurdum. Dieser Mann soll in der Kirche Oberösterreichs in Zukunft viel mitzureden haben? „Diese Äußerungen, mehrfach von Wagner vertreten, zeigen von einem abstrusen Weltbild Wagners, das finstere Mittelalter lässt grüßen!“ – meint Gemeinderätin Edith Schmied, HOSI-Vereinssprecherin.

 

„Man kann auch Katholizismus heilen!“,. „Und es benötigt dazu nicht einmal einen großen Aufwand, sondern nur einen Gang zum Bezirksverwaltungsamt. So ein Kirchenaustritt beruhigt wirklich, weil man sich da dann wenigstens mit solch völlig abwegigen Gedanken  nicht mehr näher beschäftigen muss. Allerdings fürchte ich, dass solch schwere Fälle, wie es Pfarrer Wagner zu sein scheint, unheilbar sind.“ erklärt dazu HOSI-Vereinssprecher Gerhard Friedinger empört

 

 

Beide Vereinssprecher sind sich einig, dass es gerade in der Diözese Linz nach der gescheiterten Solidaritätspreisverleihung 1999,  einen recht intensiven Dialog zwischen der HOSI Linz und der Katholischen Kirche gegeben hat. In zahlreichen kirchlichen Arbeitskreisen waren VertreterInnen der Lesben- und Schwulenbewegung eingeladen, sich einzubringen und die Situation lesbischer und schwuler Menschen – und speziell Gläubiger – darzustellen und die Probleme und Nöte, in denen Lesben und Schwule immer noch leben, aufzuzeigen. „Solche Aussagen sind nicht dazu geeignet, diesen Dialog weiter zu fördern, sondern dienen nur dazu, uns vor den Kopf zu stoßen. Und das noch bevor Pfarrer Wagner sein neues Amt überhaupt angetreten hat. Solche Hirten brauchen die Menschen in der Diözese Linz auch nicht, die lesbischen und schwulen Schäfchen der Katholischen Kirche schon gar nicht“.

 

„Es  ist dies ein Schlag ins Gesicht aller gläubigen Lesben und Schwulen - weit über die Diözese Linz hinaus! Ich kann nur allen empfehlen, dieser Kirche schleunigst den Rücken zu kehren. Und wer schon nicht ohne Religion sein will, der hat ja auch genug andere christliche Glaubensgemeinschaften und Kirchen, in denen gleichgeschlechtlich liebende und lebende Menschen gerne aufgenommen werden und wo man ihnen auch mit dem ihnen zustehenden Respekt begegnet. Diese Aussagen Pfarrer Wagners sind respektlos, zurückweisend, verletzend und sicher nicht von jenem Geist getragen, den das zweite Vatikankonzil für die Kirche festgelegt hat. Diese Aussagen sind ja nicht einmal auf dem Boden des derzeit gültigen Kirchenmeinung, wo Menschen mit Respekt und in Achtung der Menschenwürde gegenüberzutreten ist. Wir haben langsam genug von diesen Wagners, Launs, Ratzingers und wie sie sonst noch alle heißen!“

 

Schmid und Friedinger sind überzeugt, dass sich die Katholische Kirche mit solchen Führungspersonen zunehmend auf den Weg in das Eck irgendeiner Sekte begibt, die von einem Staat, der die Trennung von Kirche und Staat ernst nimmt, sehr genau und sehr kritisch beobachtet gehört.

 „Wenn man sich mit Recht anschaut, was junge Muslime in ihren Religionsbüchern stehen haben und welche Werte sie im Religionsunterricht vermittelt bekommen, dann sollte das auch für die Katholische Kirche gelten. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Katholische Kirche einerseits unter dem Schutz des Staates steht, sich aber andererseits ständig gesellschaftspolitisch in die Tagespolitik einmischt und dabei die grundlegenden Werte von Achtung, Toleranz, von Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit und von der Gleichheit der BürgerInnen nicht akzeptieren will. Die Fristenlösung ist ein geltendes Gesetz, das ein katholischer Priester genauso befolgen und beachten muss, wie die Straßenverkehrsordnung“.

 

„Genauso gilt für Pfarrer Gerhard Maria Wagner das Diskriminierungsverbot der oö. Landesverfassung und das Antidiskriminierungsgesetz. Oberösterreichs Lesben und Schwule fordern jedenfalls eine sehr deutliche Antwort der politisch Verantwortlichen in diesem Land auf diese ungeheuerliche Infragestellung der österreichischen Gesellschaftsordnung und Wertehaltung“, so Friedinger abschließend.

 

 

Gez. Der Vorstand der HOSI Linz

 

 

 

 

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