HOSI Linz Presseaussendungen
Neues Vereinszentrum der HOSI Linz feierlich eröffnet
15.05.2009 18:00Bürgermeister Franz Dobusch, Stadtrat Johann Mayr, Landesrat Josef Ackerl und Landesrat Hermann Kepplinger haben heute, am Internationalen Tag gegen Homophobie, im Beisein zahlreicher PolitikerInnen und vieler Mitglieder und AktivistInnen der HOSI Linz, aber auch befreundeter Organisationen das neue Beratungs-, Informations- und Kulturzentrum des Vereins feierlich seiner Bestimmung übergeben.
„Es ist noch toller geworden, als ich mir das vorher vorgestellt habe", ist Stefanie Niedl, Vereinssprecherin der HOSI Linz begeistert. „Gar kein Vergleich zum dunklen, düsteren Büro, das schon längst viel zu klein und eng geworden ist", ergänzt auch Co-Vereinssprecher Gerhard Friedinger. „Endlich haben unsere MitarbeiterInnen und AktivistInnen ansprechende Räume, in denen die gesellschafts- und sozialpolitische Arbeit der HOSI Linz noch besser und einfacher von Statten gehen kann. Und natürlich ist es auch für unsere BesucherInnen, seien es jetzt KlientInnen in der Beratung oder BesucherInnen von Veranstaltungen, eine ganz andere, offenere und ansprechendere Atmosphäre."
Seit 1994 waren die Räume im ersten Stock eines Gründerzeithauses in der Linzer Schubertstraße gelegen. Trotz Erweiterung auf etwas über 100 m² im Jahr 2000 sind die Räume sukzessive zu klein geworden. „Jedes Jahr sammeln sich Dutzende neue Ordner an, hunderte Zeitschriften, Broschüren und Flyer", erläutert Archiv- und Mediatheksleiter Richard Steinmetz die vormalige Situation. „Seit 2003 sind wir daher auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten gegangen und hatten uns eigentlich nicht gedacht, dass es so schwierig werden würde, etwas Passendes zu finden. Umso überraschter waren wir natürlich vom Angebot der Stadt Linz, uns ein Haus speziell angepasst an unsere Bedürfnisse zu errichten", so Steinmetz. Und jetzt, kurz vor dem 27. Jahrestag der Vereinsgründung - und 40 Jahre nach den Unruhen in der New Yorker Bar „Stonewall Inn", die zur Initialzündung für die moderne, zweite Lesben- und Schwulenbewegung weltweit wurden und an die jährlich am 28. Juni als „Christopher Street Day" weltweit mit bunten Paraden und Festen erinnert wird -, erhält die HOSI Linz von der Stadt Linz neue, moderne und den vielfältigen Bedürfnissen der oberösterreichischen Lesben- und Schwulenbewegung angepasste Räumlichkeiten. „Es wird eine ganz neue Art des Arbeitens für uns werden: allein schon der viele Platz, den wir jetzt nützen können!" sind Niedl, Steinmetz und Friedinger begeistert.
Und auch Ernst Strohmeyer, Gründungsobmann und Ehrenmitglied des Vereins, ist erfreut: „Dies ist ein europaweit einzigartiges Projekt, das gerade im Jahr der europäischen Kulturhauptstadt dem Begriff einer spezifischen lesbisch- schwulen Kultur eine völlig neue Dimension verleiht! Endlich werden die lesbischen und schwulen BürgerInnen dieses Landes deutlich sichtbar vom Rand der Gesellschaft in die Mitte der Stadt und der öffentlichen Wahrnehmung rücken. Wenn ich mich daran erinnere, dass die Anfänge unseres Vereins in meinem Wohnzimmer waren, wenn ich daran denke, dass Österreichs Schwule noch bis vor sieben Jahren mit dem Strafrecht bedroht wurden und wenn wir uns jetzt hier umschauen: Es ist schier unglaublich!"
Die HOSI Linz ist der drittälteste lesbisch-schwule Verein in Österreich und auch einer der aktivsten, der mit umfassenden Angeboten für Lesben und Schwule aufwarten kann. Beinahe 6.000 Menschen lassen sich von der HOSI Linz regelmäßig Informationen zusenden, lesen PRIDE, das lesbischschwule Österreichmagazin, das die HOSI Linz 1991 ins Leben gerufen hat und seit 2000 gemeinsam mit dem steiermärkischen Schwesterverein Rosalila PantherInnen herausbringt. Jährliche Fixpunkte und weit über die Grenzen Oberösterreichs hinaus bekannt sind das Sommertreffen am Attersee und die Wintersportwoche für lesbische und schwule Jugendliche. Dazu gibt es seit 1993 ununterbrochen eine eigene Jugendgruppe und seit 2002 einen eigenen, von AktivistInnen der HOSI Linz moderierten monatlichen Jugendchat auf Rainbow Online.
Darüber hinaus bietet die HOSI Linz insbesondere Beratung für Lesben, Schwule und deren Angehörige an, macht Aufklärungsarbeit durch Workshops und Seminare zum Thema (Homo-) Sexualität u.a. in Schulen, Jugendzentren und kirchlichen Einrichtungen. Verschiedene Selbsterfahrungsgruppen (Jugend, Frauen, Behinderte etc.) sowie Veranstaltungen (Podiumsdiskussionen, Theateraufführungen) runden das Angebot des Vereins ab. Auch Tanzkurse und Sprachkurse (insbesondere Tschechisch und Gebärdensprache) wurden und werden von der HOSI Linz regelmäßig angeboten.
„Die HOSI Linz versteht sich aber auch als überparteiliche und überkonfessionelle Beratungseinrichtung und Interessenvertretung, die daher auch in der Mitwirkung im Gesetzeswerdungsverfahren auf Landes- und Bundesebene (z.B. Oö. Landesverfassung, Oö. Antidiskriminierungsgesetz, Lebenspartnerschaftsgesetz etc.) einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt hat", umreißt Stefanie Niedl die Arbeitsfelder des Vereins.
Die HOSI Linz veranstaltete zwei Mal, 1991 und 1995, bundesweite Bewegungstreffen, nämlich das Österreichische Lesben- und Schwulenforum, und war auch Mitbegründerin des daraus entstandenen gleichnamigen Vereins. 1998 war die HOSI Linz Gastgeberin der 20. Jahreskonferenz von ILGA Europa. Daneben organisiert sie internationale wissenschaftliche Tagungen, wie „Totgeschlagen - Totgeschwiegen - Homosexuelle unter dem NS-Regime" (2005) oder „Heteronormativität und Homosexualitäten - Forschung in Anknüpfung an Michael Pollak" (2006; zusammen mit dem Institut für Soziologie und dem Institut für Frauen- u. Geschlechterforschung der Johannes Kepler Universität Linz). Die HOSI Linz betreut auch den von allen lesbisch-schwulen Organisationen gestifteten und 1984 eingeweihten, ersten Gedenkstein für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in der Gedenkstätte Ehemaliges KZ Mauthausen. Insbesondere an den Befreiungsfeiern Anfang Mai und zum Internationalen Tag der Menschenrechte im Dezember organisiert die HOSI Linz immer eine Gedenkfeier.
Die gesamte Vereinsarbeit erfolgt nahezu ausschließlich ehrenamtlich und der Verein ist weitgehend basisdemokratisch organisiert. „Mit den vielen neuen Möglichkeiten, wird sich jetzt aber auch die Arbeit des Vereins deutlich verändern. Neben der schon bisher erfolgten Beratungs- und Informationstätigkeit, den vielfältigen Angeboten für Frauen, Jugendliche, Erwachsene und SeniorInnen, werden nun auch Kulturveranstaltungen in weitaus größerem Ausmaß die Arbeit unserer HOSI bestimmen", erklärt Claudia Daberger, seit ein paar Monaten Generalsekretärin des Vereins. Und Geschäftsführerin Anita Gasperl ergänzt: „Diese neue, unmittelbare und intensivere Möglichkeit, mit der Mehrheitsgesellschaft in Kontakt und Diskurs zu treten, ist eine große Herausforderung und Verantwortung für den Verein und seine ehrenamtlich arbeitenden AktivistInnen. Möglich geworden ist das alles durch den großzügigen Beschluss der Stadt Linz, dieses Projekt zu verwirklichen!"
Die HOSI Linz nützte daher auch die Eröffnungsfeier sich bei den FördererInnen des Vereins und dieses Projektes zu bedanken. „Nochmals sei an dieser Stelle dem Bürgermeister der Stadt Linz, Franz Dobusch, und dem Finanzstadtrat Johann Mayr gedankt, die dieses Projekt in Angriff genommen haben", so Friedinger und Niedl in ihren Dankesworten. „Weiters gilt der Dank den GemeinderätInnen der Stadt Linz für den gesellschaftspolitischen Weitblick, dieses Bauvorhaben auf den Weg gebracht zu haben, aber auch den Landesräten Josef Ackerl und Hermann Kepplinger, die es finanziell unterstützt haben. Ebenso danken wir dem Architekten Franz Kneidinger, den Verantwortlichen der GWG Linz und den unter der Leitung des Bauunternehmens Priesner beteiligten MitarbeiterInnenen für die Planung und Bauausführung, sowie dem Team von Pudelskern Space Agency für die Planung der Innenausstattung."
Und nicht zuletzt dankte der Vorstand der HOSI Linz allen seinen AktivistInnen, die seit vielen Jahren an der Verwirklichung dieser Idee und an der Umsetzung dieses Projektes - bis hin zur Übersiedlung, zu Montage- und Reinigungsarbeiten beteiligt waren, sowie allen SpenderInnen, die unter anderem durch den Kauf eines Bausteines dieses Vorhaben unterstützt haben.
„Wir freuen uns auf dieses Haus und seine neuen Möglichkeiten! Wir laden alle interessierten Linzerinnen und Linzer - nicht nur Lesben und Schwule - ein, uns hier schon bald einmal zu besuchen und zur einen oder anderen Veranstaltung in diesem neuen Haus zu kommen!", betont auch Jugendleiter Hubert Buchberger und verweist abschließend gleich auf die große Eröffnungsparty. „Diese wird aus Anlass des Christopher Street Day 2009 als Straßenfest am 27.06.2009 ab 16:00 Uhr vor dem neuen Beratungs- und Informationszentrum über die Bühne gehen!"
Über eine entsprechende Berichterstattung freuen wir uns natürlich.
Der honorarfreie Abdruck der Fotos ist unter Angabe der Quellen (Mag. Gerhard Niederleuthner/HOSI Linz) ausdrücklich gestattet!
Für die HOSI Linz
gez. Stefanie Niedl, Vereinssprecherin
gez. Gerhard Friedinger, Vereinssprecher





