HOSI Linz Presseaussendungen
Linz feiert den Christopher Street Day mit Lilo Wanders
21.06.2010 10:00
Christopher Street Day (CSD)
Der CSD erinnert an den Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen Polizeiwillkür. In der New Yorker Christopher Street kam es in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 in der Bar Stonewall Inn zum Aufstand. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. Gefeiert und demonstriert wird für die Rechte dieser Gruppen sowie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung.
Straßenfest vor dem HOSI-Zentrum
Am Samstag, den 26. Juni 2010, beginnt um 15.00 Uhr in der Fabrikstraße/Ecke Kaisergasse ein Straßenfest. Mit dabei sein werden unter anderem Grandmas Chocolate Cake sowie Roberto Morales und Band. Moderiert wird die Veranstaltung von Lilo Wanders. Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Fest unter Beteiligung aller schwul/lesbischer Linzer Szenelokale, der HOSI Linz sowie der AIDSHILFE OBERÖSTERREICH stattfindet.
Lilo Wanders: Sex ist ihr Hobby - Benefizvorstellung zugunsten der AIDSHILFE
OBERÖSTERREICH Unter dem Titel „Sex ist ihr Hobby" wirft Lilo Wanders am Sonntag, den 27. Juni 2010, ab 19.30 Uhr im Linzer Theater Phönix einen Rückblick auf ihre Moderatorinnentätigkeit für die VOX-Sendung „Wa(h)re Liebe". Die Veranstaltung ist eine Kooperation der AIDSHILFE OBERÖSTERREICH mit der HOSI Linz und dem Theater Phönix.
Straßenfest zum CSD in Linz 2010
Samstag, 26.06.2010, ab 15 Uhr
Platz vor dem HOSI-Haus Ecke Fabrikstraße/Kaisergasse Moderation und Gaststar: Lilo Wanders
Durch das Programm führt der deutsche Schauspieler und Travestiekünstler Ernie Reinhardt, der in seiner weiblicher Rolle unter dem Namen Lilo Wanders auftreten wird. Bekannt wurde er z.B. durch seine Sendung „Wahre Liebe" auf dem deutschen Fernsehsender VOX. www.lilowanders.de
Live-Band „Grandmas Chocolate Cake" Grandmas Chocolate Cake sind vier ausgebildete Musiker aus Oberösterreich rund um Frontman und Sänger Jürgen Walgram. Gespielt wird von Klassikern aus der Musikgeschichte bis hin zum aktuellen Pop-Rock-Funk-Hit aus den Charts. www.grandmas.at
Musical „Tanz auf dem Regenbogen" Ingeburg Schraml präsentiert gemeinsam mit der oberösterreichischen Gruppe „Musical-Express" einen Ausschnitt aus ihrem neuesten Musical „Tanz auf dem Regenbogen". Beliebte Musicalsongs (von „Cabaret" bis „Wicked") wurden umgetextet und zu einer neuen, zauberhaften Liebes¬geschichte geformt. Erleben Sie den Kampf zweier Männer um die Gunst ihrer Traumfrau - ein musikalisches und emotionales Feuerwerk der Gefühle.
Roberto Morales und Band Der in Österreich lebende Argentinier Roberto Morales ist ein exzellenter Botschafter der gesamten lateinamerikanischen Musik. Auf ausgedehnten Reisen durch den Subkontinent hat er sich ein breites Repertoire der so abwechslungsreichen Folkore dieses Teils der Welt erworben. Unplugged und ohne viel Schnörkel zelebriert Roberto Morales und seine Band fast alle Facetten der lateinamerikanischen Folklore.
Bollywood Dance Die oberösterreichische Tanzgruppe Meharabani (übersetzt: Freude) präsentiert ihre schwungvolle und mitreißende Bollywood Show. Als Bollywood-Tänze werden Modetänze und Partytänze bezeichnet, die sich an die Tanzeinlagen indischer Filme anlehnen. Namensgeber ist Bollywood, die größte indische Filmproduktion in Mumabai. www.barbarakrempl.at
Eine gemeinsame Veranstaltung von HOSI Linz, AIDSHILFE OÖ, Bar-Café Richtig, Bar Stonewall, Bar Blue Heaven, Zizas Club-Lounge mit freundlicher Unterstützung durch die Grünen Andersrum OÖ und SoHo OÖ

Lilo Wanders: Sex ist ihr Hobby
Benefizshow zugunsten der AIDSHILFE OBERÖSTERREICH
Sonntag, 27.06.2010, ab 19.30 Uhr
Theater Phönix, Wienerstraße 25
„Öffnet die Herzen und herzt die Öffnungen", sagte Lilo Wanders mehr als zehn Jahre lang zum Schluss der Sendung „Wa(h)re Liebe", die sie beim Fernsehsender Vox moderierte.
In ihrem Soloprogramm „Sex ist ihr Hobby" wirft Lilo Wanders einen Rückblick auf diese Moderatorinnentätigkeit.
Als Sexpertin beschäftigt sie sich unter anderem mit Porno-Dreharbeiten und Penis-Größen, erklärt Hetero- und Homosexualität, berichtet von Erlebnissen im Swinger-Club und mit Sextoys oder jongliert mit Vorspiel und Viagra. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der AIDSHILFE OBERÖSTERREICH mit der HOSI Linz und dem Theater Phönix. Ein Teil des Kartenerlöses geht an die AIDSHILFE OBERÖSTERREICH und unterstützt die Präventions- und Betreuungsarbeit.
HIV/AIDS & Diskriminierung
Schwule/bisexuelle Männer als Zielgruppe der AIDSHILFE OBERÖSTERREICH
Neben der Allgemeinbevölkerung informiert die AIDSHILFE OBERÖSTERREICH gezielt bestimmte Bevölkerungsgruppen. Dazu zählen neben Jugendlichen, MigrantInnen und bestimmten Berufsgruppen (MitarbeiterInnen des Sozial- und Gesundheitswesens, PädagogInnen, ...) auch schwule und bisexuelle Männer. Die Notwendigkeit zielgruppenspezifischer Prävention bei MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) bestätigen auch die HIV-Infektionszahlen. Schwule Männer sind sehr gut über HIV/AIDS informiert und schützen sich im Vergleich zur heterosexuellen Allgemeinbevölkerung auch besser. Dennoch infizieren sich in Österreich wöchentlich ca. 3 schwule/bisexuelle Männer mit dem HI-Virus. Dies entspricht einem Drittel der jährlichen HIV-Diagnosen.
Der CSD erinnert nicht nur an den Aufstand Homosexueller gegen Polizeiwillkür in New York im Jahre 1969. Vielmehr setzt dieser ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung und für die Rechte Homosexueller. Dass die AIDSHILFE OBERÖSTERREICH diese Veranstaltung unterstützt, hat daher auch einen konkreten Präventionshintergrund: Untersuchungen belegen, dass Diskriminierung eine wichtige Ursache für die erhöhte Risikobereitschaft schwuler/bisexueller Männer darstellt. Je stärker gesellschaftliche Minderheiten ausgegrenzt werden, desto eher neigen sie zum Verheimlichen ihrer Andersartigkeit. Dieses Verheimlichen und Verleugnen führt zu einem erhöhten Maß an fremdbestimmter und dadurch passiver Sexualität, was sich negativ auf das aktive Präventionsverhalten auswirkt1.
1 Vgl.: Hutter, J./Koch-Burghardt, V./Lautmann, R.: Ausgrenzung macht krank. Homosexuellenfeindlichkeit und HIV- Infektion, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2000 und Langer, P.C.: Beschädigte Identität: Dynamiken des sexuellen Risikoverhaltens schwuler und bisexueller Männer, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2000
CSD - Christopher Street Day
USA 1969: Es ist eine Blütezeit der BürgerInnenrechtsbewegungen - die gesellschaftliche Unterdrückung durch erzkonservative Kräfte („McCarthy-Ära") war längst vorbei. Nur nicht für Lesben und Schwule - sie versteckten sich in ihren vier Wänden („closet") oder engagierten sich versteckt in den BürgerInnenrechtsorganisationen und ertrugen die schikanösen Provokationen der intoleranten Polizei in ihren Lokalen.
Die Bar „Stonewall Inn" in der Christopher Street, Manhattan, New York City, ist eine Schwulen- und Lesben-Bar, in der auch einschlägige Prostituierte verkehrten (viele „cross-dressed", in Kleidern des anderen sozialen Geschlechts). Sie fanden dort eine Art Zuflucht - aber die Geborgenheit im Untergrund endete immer wieder abrupt mit jeder der überfallartigen, schikanösen und entwürdigenden Polizeirazzien. Dort entlädt sich am 28.06.1969 die Frustration der GästInnen, vor allem einiger schwuler Prostituierter, über die ständigen unberechtigten Demütigungen. Sie werfen die Polizei spontan aus dem Lokal, verbarrikadieren sich. Die Handgreiflichkeiten ziehen viele weitere Lesben und Schwule an und verlagern sich auf die Straße - teils mit Stöckelschuhen und in Frauenkleidern kämpfen sie mit viel taktischem Geschick gegen das anrückende Sondereinsatzkommando der New Yorker Polizei.
Die sich auswachsenden „Stonewall-Krawalle" finden auch in den folgenden Nächten im Greenwich-Viertel statt. Die Polizei macht ein schlechtes Bild, sie zeichnet sich durch Hilflosigkeit gegen das Unkonventionelle ebenso aus wie durch extreme Brutalität. Die hunderten Verletzten finden sich bis auf eine einzige Ausnahme auf Seiten der wild entschlossenen ProtestiererInnen.
Lesben und Schwule trugen nicht den militärischen, wohl aber den moralischen und strategischen Sieg davon. Sie wurden schlagartig sichtbar, selbstbewusst und wehrhaft - sie traten künftig auf breiter Front offen für ihre Anliegen, Forderungen und Rechte ein. Es war der Beginn der breit organisierten Lesben- und Schwulenbewegung weltweit.
„Out of the closet and into the streets!" („Raus aus dem Versteck und raus auf die Straße!") lautete fortan das Motto. Der Protest entwickelte eine Kultur von „Gay Pride Parades". Diese karnevalartigen Umzüge von Lesben und Schwulen entstanden in der Art der typisch US-amerikanischen Feierumzüge - Lesben und Schwule präsentierten sich selbstbewusst, lebensfroh, schockierend für viele Heteros. Seither finden jedes Jahr in weiten Teilen der Welt in jeder Hinsicht bunte und ausgelassene Regenbogenparaden und/oder Straßenfeste statt: als Erinnerung an die Anfänge der Emanzipationsbewegung und als Fortführung des gesellschaftlichen Kampfs um Akzeptanz und Gleichberechtigung. Leider werden Regenbogenparaden in manchen Ländern immer noch Ziel von Störaktionen und hasserfüllten Gewaltverbrechen („hate crimes") - der Kampf geht also weiter.
Die HOSI Linz und der CSD Die HOSI Linz hat mehrere Bezüge zum CSD - mitunter zufällig, doch passend. Das erste Treffen einer AktivistInnenrunde zur Gründung eines Lesben- und Schwulenvereins fand 1982 zeitnahe zum CSD statt. Auch die ersten Vereinsräumlichkeiten in der Schubertstraße 36 eröffnete die HOSI Linz zum CSD 1994.
Passend zum CSD beschloss 2006 der Linzer Gemeinderat ein einzigartiges Projekt: den Neubau eines Hauses für Oberösterreichs Lesben und Schwule und in Anwesenheit der Justizministerin, des Bürgermeisters und zweier Landtagspräsidentinnen erfolgte zum CSD 2007 der Spatenstich für dieses Haus. Erstmals wurde 2008 das Linzer Rathaus am Hauptplatz mit einer Regenbogenfahne beflaggt - ein Symbol der lesbisch-schwulen Gemeinschaft, Bewegung und Lebensfreude. Und zum CSD 2009 fand zur Eröffnung des Hauses auch das erste Straßenfest statt.
Café Julius
Mit der Eröffnung dieses Hauses hat auch das Café Julius seinen Betrieb aufgenommen. Unter der Leitung von Günther Brunnthaler bietet es von Donnerstag bis Montag neben einem umfangreichen Kaffee-Angebot auch wöchentlich wechselnde Speisen zu vernünftigen Preisen.
Das Café ist nach Julius Zechner benannt. Julius Zechner war nicht nur ein begnadeter Sänger und Gitarrist, sondern als Gründungsmitglied der HOSI Linz auch ein selbstbewusster Aktivist der ersten Stunde und Triebfeder hinter der Vereinsgründung 1982. Der beliebte Wirt des bekannten und ersten offiziellen Lesben- und Schwulenlokals in Linz, dem „Bad Café", war aber auch eines der prominentesten Opfer von AIDS in der Linzer Community.
Julius hat damals in den frühen 1980er-Jahren auf geradezu einzigartige Weise vorgelebt, wie man als Schwuler selbstbewusst und engagiert lebt, und wurde dadurch schnell zum Vorbild für eine ganze Generation junger Lesben und Schwuler. Als Sänger u.a. der legendären Linzer Kultbands „Willi Warma" und „Dynamo Urfahr" war er weit über Linz hinaus bekannt; genauso genossen seine Auftritte in der Travestiegruppe „La Rabiata" Kultstatus. Als Szenewirt war er eine Institution, geliebt, verehrt und bewundert, vor allem aber immer mit einem offenen Ohr und einem weiten Herz für die großen und kleinen Nöte und Sorgen seiner Gäste. Auch die Linzer Lesbenszene fand bei Julius erstmals eine offizielle Anlaufstelle. Als er von seiner Infektion erfuhr, war der Schock in der Linzer Community größer als seine eigene Betroffenheit. Mit seiner Erkrankung ging er ebenso offen um wie mit seinem Schwulsein und schnell wurde er auch in diesem Punkt zum Vorbild für viele andere. War es zuvor die HOSI Linz, in der er sich engagierte, so war es in den letzten Jahren die AIDSHILFE OÖ, in der er sich selbst unter dem Einfluss der eigenen, schweren Erkrankung noch unermüdlich für HIV-positive Menschen einsetzte.
Im Frühsommer 1992 verstarb Julius an AIDS. Im Nachruf, der in der PRIDE-Ausgabe 9/August 1992 erschien, hieß es unter anderem: „Sein Weg war und ist untrennbar mit dem unseren verbunden".
Mit diesem Café erinnert sich jetzt die HOSI Linz an ihre Anfänge und die BesucherInnen des neuen Hauses an diesen großartigen Menschen, ohne dessen Engagement es die HOSI und damit dieses Haus vermutlich nicht gäbe und auch die Community sicher nicht das wäre, was sie heute ist. Es ist ein Bekenntnis zu den Wurzeln der HOSI und ihren Anfängen, die sie trotz allen Entwicklungen und Veränderungen dennoch nie vergessen wird. Und nicht zuletzt steht dieser Name auch stellvertretend für die vielen, die mit HIV infiziert sind oder schon an AIDS gestorben sind.
Die HOSI Linz dankt der AIDSHILFE OÖ und dem Theater Phönix für die Kooperation beim CSD 2010 in Linz!








