Polens LGBTIQ*-freie Zonen und das laute Schweigen in Pettenbach

International Day Against Homophobia, Biphobia, Transphobia and Interphobia (IDAHOBIT) 2020

In Polen haben sich die Angriffe von staatlicher Seite gegenüber LGBTIQ*-Personen seit dem Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei PiS im Oktober 2019 verstärkt.

Die Partei von Jaroslaw Kaczynski hatte im Wahlkampf Homosexuellenfeindlichkeit zu einem ihrer zentralen Themen gemacht. Insbesondere die in Polen mächtige katholische Kirche hat die Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten angeheizt – die Bischofskonferenz hatte Homosexuelle vor den Wahlen etwa als „Gefahr für die Zukunft“ gebrandmarkt.

Eine Folge ist die Ausrufung von quasi „LGBTI-freien Zonen“ auf kommunaler Ebene in Polen. Rund 100 Regionen, Landkreise und Gemeinden haben inzwischen einen derartigen Entschluss gefasst. In den von OKO.press auf Englisch veröffentlichten Resolutionen verpflichten sich die Städte etwa, keine „Homo-Propaganda“ zu akzeptieren, keine Sexualaufklärung an Schulen durchzuführen und sich zum „Schutz der Familie“ und der Kinder der „Ideologie der LGBT-Bewegung“ zu widersetzen, die christlichen Werten entgegenstehe.

„In der Folge hat die Europäische Kommission die Resolutionen der polnischen Gemeinden und Kreise am 4. Februar bereits entschieden verurteilt. Kommissionspräsidentin Van der Leyen verwies  auf die Antidiskriminierungsbestimmungen der EU-Verträge, die EU-Grundrechtecharta, viele Empfehlungen des Europarates und anderer EU-Gremien“, erklärt Richard Steinmetz, Vereinssprecher der HOSI Linz.

Auch die Stadt Tuchów im Powiat Tarnowski der Województwo Małopolskie hat einen solchen Beschluss gegen die LGBTIQ*-Community der Stadt gefasst.

In Illingen an der Saar hält Bürgermeister Armin König (CDU) das Verhalten in Tuchów für einen „Skandal“ und ersuchte seine Amtskollegin um eine Stellungnahme. Sollte Tuchów von seinem LGBT-Beschluss nicht abrücken, will auch er seinem Gemeinderat einen Auflösungs-Beschluss empfehlen. Mit Tuchów hatte zuvor die französische Gemeinde Saint-Jean-de-Braye ihre Partnerschaft nach 25 Jahren beendet, die erste entsprechende Kündigung nach Ausrufung einer „LGBTI-freien Zone“.

In diesem Sinn ist auch die HOSI Linz Anfang April an die oberösterreichische Marktgemeinde Pettenbach herangetreten, die ebenfalls eine Partnerschaft mit der Stadt Tuchów unterhält.

Die Reaktion auf diesen Brief an die Marktgemeinde Pettenbach ist bislang nur ohrenbetäubendes Schweigen. Die türkis-blaue Gemeinderatsmehrheit unter ÖVP-Bürgermeister Leopold Bimminger findet, scheints, in der üppigen Fülle an kommunalen Aufgaben keine Zeit, um sich für Menschenrechte zu engagieren.

Dabei zeigt das Beispiel der Stadt Kobyłka, dass der Druck auch Erfolg bringen kann: Die Verwaltung der rund 23.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Kobyłka versucht inzwischen laut polnischen Medienberichten, ihren homo- und transphoben Beschluss wieder zurückzunehmen. Bürgermeisterin Edyta Zbieć bedauerte vor wenigen Tagen, dass ihre Stadt „ein Schandfleck der Schande auf der polnischen Landkarte“ geworden sei.

„Das Schweigen der Gemeinde Pettenbach ist peinlich und eine Schande für die Wertegemeinschaft Europas!“, zeigt sich Steinmetz empört. Die HOSI Linz fordert anlässlich des Internationelaen Tags gegen Homophobie, Biphobie, Transphobie und Interphobie (IDAHOBIT) alle Bundes- und Landespolitiker*innen auf, sich bei ihren polnischen Amtskolleg*innen gegen die Diskriminierung und Verfolgung von sexuellen Minderheiten in Polen einzusetzen.

gez. Mag. Richard Steinmetz
Vereinssprecher der HOSI Linz
Linz, 15.05.2020

RESOLUTION NO. 2/2019 OF THE TUCHÓW TOWN COUNCIL

of 29 May 2019

on the adoption of a resolution regarding the suppression of the “LGBT+” ideology by the local government community

Pursuant to the ideological war incited by certain politicians, the Tuchów Town Council is making an “LGBT+ ideology-free Tuchów Municipality” declaration. Radicals intending to conduct a cultural revolution in Poland are attacking freedom of speech, the innocence of children, the authority of the family and the school and the freedom of enterprise. Therefore, we shall consistently defend our local government community! LGBT+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and others) ideology-free Tuchów Municipality. In accordance with our centuries-old culture of social life, for the good of life, the family and freedom, we declare that the local government we represent will not interfere with the private lives of Polish men and women. We shall not allow the exaggerated problems and artificial conflicts that the LGBT+ ideology brings to be imposed on us.

  1. We shall not agree to the illegal installation of political correctness officers at schools (so-called “lighthouse keepers”). We shall protect the right to bring up children in accordance with the convictions of their parents!
  2. We shall do everything to prevent shockers interested in early sexualisation of Polish children from entering the schools according to the so-called World Health Organization (WHO) standards. We shall protect pupils, ensuring that their parents, with the help of educators, are able to responsibly convey the beauty of human love to them!
  3. We shall not allow administrative pressure to be applied in favour of political correctness (sometimes simply called homopropaganda) in selected professions. We shall protect, among others, teachers and entrepreneurs from the imposition of unprofessional criteria on them, e.g. in educational work, in the choice of employees or trading partners! We declare that the Municipality of Tuchów will be faithful to national and state traditions while performing its public tasks, remembering the 1053 years since the Baptism of Poland, 100 years after Poland regained its independence.
  4. The Chairman of the Tuchów Town Council is obliged to distribute this resolution in the educational institutions of the Tuchów municipality and among the residents of the Tuchów municipality.

Chairperson of the Tuchów Town Council

Stanisław Obrzut, MA