HOSI Linz hat wieder ein Vereinslokal

HOSI Eröffnung

Phoenix aus der Asche

Die HOSI Linz eröffnet nach über einem Jahr Postfachadresse endlich wieder eigene Räumlichkeiten

Linz (HOSI): Das neue Vereinslokal im Tiefparterre der Goethestraße 51 erscheint sehr beengt und bescheiden. Doch die neue, erzwungene Bescheidenheit hat auch Positives erzeugt. „Die HOSI war fast bei null angelangt. Gerade deshalb herrscht nun Aufbruchsstimmung in der HOSI Linz und beflügelt Aktivisten und Aktivistinnen. Ein neues Selbstbewusstsein hat eingesetzt. Es wird von unserer Fähigkeit getragen, notfalls auch ohne Unterstützung der Stadt überleben und weiter-wirken zu können. Nichts zu bekommen bedeutet auch, nicht abhängig zu sein“, erklärt Vereins-sprecher Rainer Bartel.

„Sowohl die Beratung als auch ihr Klientel sind froh darüber, dass es endlich wieder eine nicht-virtuelle, reale Anlaufstelle für die lesbisch-schwule Community in Oberösterreich auch abseits der Kommerzangebote geben wird. Es gab tatsächlich Klientinnen und Klienten, die eine Beratung im Winkel eines Kaffeehauses abgelehnt haben. Das ist durchaus verständlich, aber nun vorbei – obwohl der kleine Raum kein eigener Beratungsraum ist und an Franz Kafkas Der Prozess erinnern mag. Immerhin ist es etwas Eigenes und besser als nichts“, meint Rainer Bartel, der auch als Leiter der Beratung fungiert.

Unter der Obdachlosigkeit hat die Kommunikation des Vereins zu seinen Zielgruppen generell gelitten: „Es gab seit dem Auszug aus dem HOSI-Haus Ende 2012 keinen räumlichen Kristallisationspunkt der Aktivitäten. Auch die verstreuten Lagerstätten für Archiv, Mediathek und restliches Inventar waren sehr hinderlich. Unsere zeitraubende Hauptaufgabe war es im letzten Jahr, endlich wieder eine Infrastrukturbasis unter die Füße zu bekommen“, weiß Vorstandsgeschäftsführer Gernot Wartner aus seiner Erfahrung. „Allein im Web2.0 und in den wenigen Szenelokalen präsent zu sein, ist für die Aufgabenstellungen der HOSI Linz – Information, Beratung, Kommunikation – eindeutig zu wenig. Andererseits ist es recht hart, den Aufwand dafür selbst aufbringen zu müssen. Das bindet Zeit und braucht Kraft und Nerven“, so Wartner.

Der neue Vorstand, der seit einem halben Jahr amtiert, ist von der Solidarität der FreundInnen der HOSI und vom Engagement ihrer AktivistInnen positiv überrascht. „Das zeigt uns, dass bei Lesben und Schwulen heute immer noch ein großer Bedarf an Information, Beratung und sozialer Integration besteht. Die Leute wollen offenbar eine feste und starke Institution, an die sie sich bei verschiedensten Problemen vertrauensvoll wenden können: vor allem Coming-Out-Schwierigkeiten, Einsamkeit oder rechtliche Fragen über Diskriminierung und Antidiskriminierung. Die Probleme, die Lesben und Schwule mit ihrer Umwelt haben, haben sich etwas verschoben, von legaler Diskriminierung und offenen Anfeindungen, die es auch heute noch gibt, hin zur indirekten Diskriminierung hinter einem vorgeschobenen Grund oder zur subtileren Verächtlichmachung. Die Grundproblematik bleibt, und im einen oder anderen Fall muss ein angstfreies Leben immer noch aufwändig erstritten werden, auch wenn die Rahmenbedingungen tendenziell besser werden“, weiß Gernot Wartner.

„Es ist schon eigenartig, wenn sich eine Stadt zur Vielfalt in jeder Hinsicht bekennt und dennoch zur HOSI Linz keine steten, unbelasteten Beziehungen unterhält – geschweige denn, dass die HOSI Linz noch Subventionen erhielte. Freilich muss die Stadt Linz sparen, aber bei uns auf null Komma null runterzufahren, ist schon bitter und unverständlich. Und das maßgeschneiderte frühere HOSI-Haus erfüllt offenbar keinen seiner Funktionalität entsprechenden Zweck mehr – und das ist wohl etwa so teuer wie zu Zeiten der Nutzung durch die HOSI. Doch auch das Land macht uns das Arbeiten nicht leicht, obwohl es sich als tolerant darstellt. Da kritisieren wir den Landeshauptmann zuweilen, wie es ggf. unsere Aufgabe ist, etwa weil er sich vehement gegen Gleichstellung ausspricht, und sofort verspüren wir Gegenwind“, zeigt sich Bartel irritiert.

„Wir würden uns von den staatlichen Stellen aller Ebenen mehr Professionalität und Statesmanship, soziales Gespür und Beziehungsmarketing wünschen. Vielleicht können wir durch unsere guten Leistungen die uns entgegengebrachte Skepsis und Reservation ja wieder überwinden. Das neue kleine Vereinslokal ist ein guter Ausgangspunkt für eine neue Ära. Wir haben ja aus eigener Kraft aus einem feuchten Kellerlokal ein heimeligeres Kommunikations-zentrum gemacht und selbst in der kritischen Zwischenzeit unsere Leistungen bestmöglich erbracht: gemeinnützig und ehrenamtlich – und von offizieller Seite unbedankt“, schließt Vorstandsgeschäftsführer Gernot Wartner.

Für die HOSI Linz

gez. Dr. Rainer Bartel, Vereinssprecher

Linz, den 08.03.2014

Eröffnung des neuen HOSI Zentrums, 08. März 2014

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