Wir sind zumindest ein „Grundmandat“!

Wahlurne mit Wahlzettel

Nationalratswahl am 29. September

HOSI Linz an die Politik: „Ihr sollt uns zu spüren bekommen!“

Linz (HOSI): Die HOSI Linz ruft zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstbestärkung auf: Alle unentschlossenen und politikverdrossenen Lesben und Schwulen sollen jene Parteien wählen, die aufgeklärt und solidarisch gegen Diskriminierung auftreten. „Verschwenden wir unsere Stimmen nicht, vergeben wir sie klug! Das kostet wenig und bringt viel“, so die HOSI Linz.

„Alle Lesben und Schwulen, die keine feste Bindung an eine Partei haben, wahlmüde, unentschlossen oder politikverbittert sind, rufen wir auf, ihre Stimme nicht verfallen zu lassen, sondern gültig abzugeben und jene Parteien zu wählen, die in ihren Augen am ehesten für die nötige Antidiskriminierung arbeitet. Sie sollen unsere Stimme haben, und sie können und sollen sie gut gebrauchen! Die Betonung liegt dabei auf Arbeiten; ein nackter Oberkörper ist etwa zu wenig“, heißt es aus der HOSI Linz.

Wir haben die Wahl

„Wir haben die Wahl – in viel größerem Maß, als wir vielleicht glauben“, meint HOSI-Linz-Vereinssprecher Rainer Bartel. „Lesben und Schwule machen nach vorsichtiger Schätzung zumindest fünf Prozent der Wahlbevölkerung aus. Also würden wir immerhin zumindest so viel wie ein Grundmandat schaffen. Das wollen wir Lesben und Schwulen vor der und für die Wahl bewusst machen. Wir können uns selbst ermächtigen“, ruft Bartel zu mehr gesellschaftlichem Selbstbewusstsein und politischer Beteiligung auf.

Die Zeichen für ein Aufrütteln der Politik sind günstig. Erstens sind die bisherigen NichtwählerInnen wohl die stärkste Gruppe, und zweitens gilt für die Lesben und Schwulen speziell, dass sie mit ihren Anliegen viele solidarische Mitmenschen haben, wie FreundInnen und Verwandte, KollegInnen und Bekannte. Auch deren Gruppe fällt genauso sehr unter die weiße Partei Unentschlossener früherer NichtwählerInnen. „Machen wir ein Schneeballsystem draus, eine kleine Lawine aus dem Nichts – eben aus den sonst brach liegenden, aber wertvollen Stimmen!“, wendet sich der HOSI-Vereinssprecher an die lesbisch/schwule Community.

„Die Lesben und Schwulen wissen sehr gut, welche der Parteien ihre tatkräftigen Unterstützerinnen sind, welche aber Bremserinnen und welche Totschweigerinnen sind“, ist Rainer Bartel zuversichtlich. „Überdies gibt es noch die bequeme Möglichkeit, sich im Internet beim Rechtskomitee Lambda, auf www.ggg.at und www.thinkoutsideyourbox.net eine Übersicht darüber zu verschaffen, welche Partei in der Antidiskriminierung von Lesben und Schwulen was vertritt“. Und Bartel weiter: „Wir wollen die unentschlossenen Lesben und Schwulen nicht mit konkreten Empfehlungen bombardieren. Sie können ja selbst entscheiden, was ihnen besonders wichtig ist – z.B. Heirat oder Diskriminierungsschutz bei Dienstleistungen – und demgemäß die eine oder die andere lesben- und schwulenfreundliche Partei stärken. Nur ja keine Stimme vergeuden; klug sein und klug wählen!“

Wir schauen euch auf die Finger!

Freilich ist sinnvollerweise nicht an die Gründung einer Homosexuellenpartei zu denken, geht es doch um die Vergabe des allgemeinen politischen Mandats und nicht nur um sexuelle Minderheitenfragen – obwohl mit Heteronormativität sehr wohl, mehr oder weniger merklich, Gesellschafts- und Machtpolitik betrieben wird. Doch erklärt Bartel: „Wenn die Bevölkerungsgruppe der Lesben und Schwulen etwas verbindet, dann ist es zwar nicht immer die Solidarität, aber sicher das gemeinsame Problem, auf das Sexuelle reduziert, daran festgemacht und dann noch dafür diskriminiert zu werden – nicht zuletzt vom Staat selbst.“

Das verlangt nach politischen Zeichen, die sehr wirksam sein können, ist der Vorstand der HOSI Linz überzeugt. „Obwohl kein Mensch, egal welcher sexuellen Orientierung, nicht nur sexuell ist, sondern in vielerlei Hinsicht Teil der Gesellschaft, kann die Politik der Parteien gegenüber Lesben und Schwulen zur entscheidenden Richtschnur bei der Wahl werden – und soll es auch. Wer nicht oder weiß wählt, vergibt unsere Chancen. Als Interessenvertretung der Lesben und Schwulen in Oberösterreich sind wir jedenfalls überzeugt: Es ist wichtig, dass viele wählen gehen! Nicht nur, weil unsere Demokratie davon lebt. Eine hohe Wahlbeteiligung ist auch ein Signal an die Politik: Wir schauen euch auf die Finger! Wir mischen mit — am Wahltag und darüber hinaus! Wenn von den vielen Wählerinnen und Wählern, die bei der letzten Nationalratswahl zuhause geblieben sind, diesmal möglichst viele von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, wäre das für die demokratische und gesellschaftspolitische Weiterentwicklung Österreichs nur gut und wesentlich!“, schließt Bartel.

Für die HOSI Linz

gez. Dr. Rainer Bartel, Vereinssprecher

Linz, den 26.09.2013

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